Ho'opono - ein interner Konfliktlösungsprozess, extern angewendet

Ich hatte heute eine leider alltägliche Situation, der ich, aus dem Blickwinkel vieler anderer, etwas skurril begegnen konnte.

Ich hatte die Gelegenheit, einer Person, die gerade in einem unverhältnismäßig starken Streitgespräch verwickelt war, mit Hilfe des inneren Ho'opono-Prozesses zu helfen, ohne dass eine der zwei beteiligten Personen auch nur irgendwas von meiner eigenen Involviertheit mitbekamen.

Um den weiteren Artikel verstehen zu können, müssen Sie wissen, dass ich Ho'opono, nicht wie ursprünglich auf Hawaii verwendet, als Konfliktlösungsprozess, vergleichbar mit einem geführten Konfliktlösungsgesprächs, sondern als inneren Prozess sehe, bei dem ich negative Emotionen (das eigentliche Übel an Konflikten) aus einen Konflikt entferne.

Nun aber zu meiner kleinen Geschichte, die sich heute zugetragen hat:

Ich war heute, so wie recht oft pro Woche im Zuge der Tennis-Wintersaison, auf meiner Stammtennisanlage, auf der ich seit Jahren unterrichte. Da diese Anlage kommerziell geführt ist, besitzt sie eine Rezeption. Das Personal an der Rezeption hat unter anderem die Aufgabe, Plätze zu vergeben, aber auch die Schlüssel der Garderoben-Kästchen auszugeben.

Da die Rezeptionisten-Stellen tendenziell Studenten-Jobs sind, gibt es immer wieder einen großen Wechsel an Personal - so auch zu Beginn dieser Wintersaison. Heute saß eine neue, relativ junge und absolut introvertierte Rezeptionistin an der Rezeption. Es war offensichtlich ihr erster Dienst, den sie alleine und nicht als Einschulung machen durfte.

Leider, wie das mit schüchternen und unsicheren Menschen so ist, ziehen diese Menschen, oft grobschlächtige, dominante Menschen für Konflikte magisch an. Ich glaube ganz besonders ist diese Verbindung der anderen Art bei jungen Damen und älteren Herren gegeben. Ich kann mir vorstellen, dass dies mit einer gewissen Dominanz von älteren Herren (eventuell auch pseudo-sexuell) zusammenhängen könnte. Diese Mutmaßung will ich aber nicht weiter ausführen - über so etwas sollen sich lieber Verhaltenspsychologen den Kopf zerbrechen.

Es kam also so, wie es kommen musste - und dies gerade direkt vor mir, als ich etwas von der Rezeption benötigte. Als ich zur Rezeption im Eingangsbereich der Anlage kam, fand ich folgende Situation vor. Ein älterer Herr - dominant über den Tresen der Rezeption gebeugt, beschwerte sich forsch aber gleichzeitig mit einem Grinsen, das sagte "So, jetzt zeig ich‘s Dir, junge Puppe", über die Ausgabe der Garderobenkästchen. Die Dame habe (er konnte oder wollte ja nicht wissen, dass sie den ersten Tag im Dienst war) die Schlüssel der Garderoben-Kästchen so ausgegeben, dass sich die Herren nahe nebeneinander umziehen mussten. Sie solle doch in Zukunft, ein wenig mehr mitdenken und Kästchen dazwischen auslassen.

Die junge Dame saß von der Körpersprache her, völlig verkrampft und zusammengezogen auf ihrem Schreibtischsessel - ihr Gesicht war hoch rot und sie war den Tränen nahe. Das machte dem Herrn natürlich sichtlich Spaß. Mein ganz natürlicher, erster Reflex - ich kann so etwas echt nicht mit ansehen, da ich sehr korrekt und gerechtigkeitsliebend bin - war: Da mische ich mich ein - ich nehme den alten Herren mit Humor, und lenke ihn von der Dame ab. Im zweiten Moment jedoch, wurde mir klar, dass ich ihm damit vielleicht mehr Angriffsfläche geben könnte - sowohl mir, als auch ihr gegenüber. Das würde die Situation nicht bereinigen - Reibung erzeugt nun mal Reibung, auch wenn sie in Humor verpackt ist.

So startete ich einen Ho'opono-Prozess der anderen Art: Ich stellte mich neben das ungleich "diskutierende" Gespann und begann tief einzuatmen. Anstelle der Dame, vergab ich ihr, Ihre Angst und dem Herren, sein völliges Fehlverhalten. Ich nahm diese ganze negative Emotion und packte diese geistig in einen Ball aus weißem Licht, den ich danach mit meinem Ausatmen, aus meinem Mund an das Kollektiv übergab. Diesen Rhythmus machte ich so lange und mit allem negativen, was ich auffangen konnte, wie ich dem Streitgespräch zuhörte.

Was geschah während dieses Prozesses:

Die Rezeptionistin:

Die junge Dame schaffte es, sich in ihrem Schreibtischsessel immer weiter aufzurichten und aus ihrer Opferhaltung zu entfliehen. Ihr Anblick wurde zwar nicht gerade unbedingt fröhlich, aber sie konnte die Kritik des Herrn, zumindest mit weit weniger Emotion entgegen nehmen. Am Ende des Gespräches, als der Herr wegging, rollte sie nur mehr die Augen und schüttelte verständnisvoll der Kopf.

Bei Mir:

Im Zuge meiner Atemzyklen, und als ich merkte wie gut meine geistige Arbeit half, wurde ich immer zufriedener und fröhlicher, dass sich bei mir mit einem friedlichen Grinsen im Gesicht ausdrückte - ich bekam dies im ersten Moment gar nicht mit - erst als mich der ältere Herr anblickte.

Der ältere Herr:

Im gleichen Ausmaß, wie die Rezeptionistin auf ihrem Sessel selbstsicherer wurde, wurde der Herr unsicherer. Als er dann noch mein breites Grinsen neben sich entdeckte, musterte er mich kurz und überlegte wahrscheinlich, ob er in mir einen Verbündeten fand, oder ob er mich auch verbal angreifen sollte, weil ich ihn auslachte. Da mein Lächeln jedoch einfach fröhlich war, nicht ihn bestärkend und nicht schadenfroh oder ähnliches, konnte er mich nicht einschätzen, was ihn nur kopfschüttelnd noch unsicherer machte. Als er das alles realisiert hatte, zog der "alte Leitwolf seinen Schwanz ein, legte die Ohren an" und zog mit einem leisen "Ich wollte ja nur einen hilfreichen Ratschlag geben" von dannen.

Ich musste jedoch noch den letzten Teil des Ho'opono-Prozesses realisieren - die weggenommene negative Emotion durch etwas Positives zu ersetzen. So war ich bei meinem persönlichen Anliegen an der Rezeption besonders freundlich, und gab der Jungen Dame auch zu verstehen, dass sie ihren Job für den ersten Tag sehr gut machte. Sie strahlte zufrieden, und somit war alles gut.

Ich hoffe, dass einerseits introvertierte Menschen lernen, ohne die Hilfe der anderen Art, wie ich es betrieben habe, auszukommen. Im konkreten hoffe ich, dass die neue Rezeptionistin, auch wenn nur ganz unbewusst, gelernt hat, dass sie keine Angst vor "alten Wölfen" haben muss und, dass der "alte Wolf" gelernt hat, dass nicht jedes Junge Mädchen, Rotkäppchen ist, das er fressen kann.

Mir hat es in jedem Fall wieder einmal Spaß gemacht, zu helfen und freundlich zu sein! :-)