Über Verantwortung, Tun & Aufgabenverteilung

Konkrete Ereignisse und gewisse, bemerkbare, gesellschaftliche Tendenzen haben mich dazu gebracht, über das Wechselspiel von Verantwortung, Tun und Aufgabenverteilung in der heutigen Zeit und aus der Perspektive der hawaiianischen Heilphilosophie, nachzudenken und zu schreiben. Resultat ist der vor Ihnen liegende Online-Artikel.

Bereits seit Henry Ford in 1913 - dem Erfinder der modernen Fließbandarbeit - ist der Begriff der Arbeitsteilung und Spezialisierung von Arbeitsbereichen zur Effizienzsteigerung ein allgemeines wirtschaftliches Prinzip. Diese Art der Arbeitsorganisation ist bereits so stark in unseren Köpfen eingeprägt, dass sie vielerorts, Lebenswelten übergreifend aus der Arbeitswelt heraus, auch in unser zwischenmenschliches Privatleben Einzug gehalten hat. Weiter besitzt sie bereits neumoderne Nachfahren, wie den derzeitigen Modebegriff des "Netzwerkens". Ohne der gedanklichen Philosophie hinter der Sache, ihre - auf den ersten Blick - große Wirksamkeit absprechen zu wollen, so birgt die praktische Anwendung dieses Gedankenmodells auch einige Tücken in sich. Oftmals – vorwiegend bei Tätigkeitsfeldern im wirtschaftlich-administrativen Bereich, ist mir dies bei meinen Mitmenschen aufgefallen – geht aufgrund zu starker Arbeitsteilung, der Blick für das Produkt / das große Ganze, verloren. Viele Menschen stellen sich früher oder später die Sinnfrage ihrer konkreten Arbeitstätigkeit.

Durchaus wird das Prinzip der Arbeitsteilung, von Grundaussagen des Huna (moderner hawaiianischer Schamanismus) unterstützt - hier ist beispielsweise die Aussage "Alles ist mit Allem verbunden" anzuführen. Hierdurch müsste die Arbeitsteilung bzw. allgemeiner ausgedrückt, die Aufgabenverteilung im Leben möglich sein.

Leider - so sehe ich die momentane Situation - hat diese Theorie, gepaart mit den häufigsten menschlichen Charakterzügen, ihre großen Schwachstellen. Diese will ich Ihnen in weiterer Folge aufzeigen.

Die Aussage "There are no Limits" / Es gibt keine Grenzen, welche durch den bekannten Autor und Lehrer des Huna, Serge Kahili King geprägt wurde, befürwortet einerseits die Arbeitsteilung. Dieses Prinzip kann jedoch in Bezug auf unsere Arbeitswelt in beide Richtungen – positiv und auch negativ – funktionieren: Schafft ein jeder Mitarbeiter Werte, nimmt seine Tätigkeiten ernst, und ist konstruktiv, so kann ein fantastisches Endprodukt entstehen, dass immer mehr als die Summe der Einzelarbeiten ist. Auf der anderen Seite gilt jedoch auch das Sprichwort „Eine Kette ist immer so stark wie ihr schwächstes Glied“. Gibt es einen oder mehrere Mitarbeiter, die – aus welchem Grund auch immer – keine Werte schaffen und ihre Arbeit nicht ausreichend machen, so wird es früher oder später allen Mitarbeitern und dem Unternehmen selbst, schlecht ergehen. Trittbrettfahren ist jedoch leider, wenn die Sinnfrage für eine Tätigkeit aufkommt, ein Phänomen welches im Charakter vieler Menschen vorhanden ist. Um einen westlichen Autor über diese Problematik ins treffen zu bringen, kann man sich auch mit der erlernten Sinnlosigkeit von Viktor E. Frankl beschäftigen. Hierzu ist das Buch „Der Wille zum Sinn“ sehr zu empfehlen. Frankl sah bereits um rund 1980, die Sinnlosigkeit als eines der Hauptprobleme für diverse, heute besonders populäre, geistige Erkrankungen wie Burnout und Depressionen.

Ellen J. Langer – Psychologin und Psychologie-Professorin an der Harvard Universität – bringt im Zusammenhang mit Burnout noch eine weitere Tatsache ins Treffen, die ein Erscheinungsbild von zu stark geteilter und monotoner Arbeit ist – die Gedankenlosigkeit. Wie viele Menschen sitzen bei Ihrer Arbeit, völlig freudlos und mit leerem Blick und tun Tag ein Tag aus das Gleiche, ohne wirklich darauf acht zu geben, was sie tun? Ich habe hier das beängstigende Bild einer Welt der lebendigen Roboter vor mir. Malt man sich das Bild kurz aus, so ist es völlig nachvollziehbar, dass auf so eine Lebensführung, Krankheiten im mentalen und körperlichen Bereich folgen können. Zeigt man diesen Menschen, dass ihre Arbeit eine Bedeutung hat, und wichtig ist, so ändern viele dieser lebenden Roboter, sofort ihre Einstellung zu ihrer Arbeit, und leben regelrecht auf. In diesem Zusammenhang kann ich Ihnen das Buch „Mindfulness: Das Prinzip Achtsamkeit“ von Ellen J. Langer ans Herz legen.

Aus meiner Sicht spielen die beiden oben genannten Philosophien zusammen: Aufgrund der erlernten Sinnlosigkeit und der Gedankenlosigkeit, verlernen die Menschen Verantwortung zu übernehmen. Warum sollten Sie es auch – wer übernimmt im normalen Leben Verantwortung, wenn er eigentlich gar nicht weiß für was er Verantwortung übernehmen soll? Auch sind Aufgaben im Leben oft schon so klein strukturiert aber gleichzeitig so stark vernetzt mit anderen Menschen, dass dies verleiten kann, zu glauben, man könne sich ganz leicht vor seiner eigenen Verantwortung drücken und diese unfairerweise an Andere abgeben, ohne etwas dafür zu leisten. Leider, muss ich ehrlich gestehen, sehe ich auch immer wieder Beispiele im alltäglichen Leben, wo dies Menschen so gelingt.  Diese verlernte Verantwortung zieht sich früher oder später durch alle Lebensbereiche. Betrachten Sie bitte einmal, wie viel mehr Arbeit die Schuldnerberater in den letzten Jahren bekommen und wie sehr die Zahl der Privatkonkurse angestiegen ist. Die Menschen wollen sich alles leisten, alles haben und aber keine Verantwortung für die Beschaffung und Erhaltung übernehmen.

Betrachten wir diese Tatsache und die heutige Hochkultur, mit all unseren Technologien, finanziellen Möglichkeiten (auch wenn es keine Eigenmittel sind), gepaart mit den gesellschaftlichen Tendenzen, so kann man mittlerweile von einer breiten Masse der Wohlstandsverwahrlosung sprechen.

Um Ihnen später mein persönliches Gegenrezept für diese Misere, für jede Einzelperson, präsentieren zu können, will ich noch kurz zwei Grundprinzipien bzw. universelle Gesetze von Huna, nach King aufgreifen:

  1. Es gibt keine Grenzen: Wie zuvor besprochen, wirkt sich eigene Faulheit und das Drücken vor Verantwortung gleichermaßen auf Sie selbst, aber auch auf ihr Umfeld aus, wie die positive Kehrseite – wenn sie fleißig und verantwortungsbewusst ihre Aufgaben im Leben meistern.
  2. Alle Kraft kommt aus Dir selbst: Es ist nun mal eine Tatsache, dass alle Dinge, die man wirklich haben will, zumindest selbst initiiert werden müssen. Ich muss Wünsche zumindest an die richtige Person äußern, und eine Gegenleistung anbieten, wenn ich eine Sache nicht sogar selbst für mich erledigen kann. Die heutige, völlig falsche Annahme, dass man Dinge haben kann, ohne einen Preis dafür zu zahlen, oder Dinge anstellen kann, ohne sich danach dafür zu verantworten, kann nur zu einem Ungleichgewicht führen.

Nun wollen wir aber zu einem positiven Ende dieses Artikels, der mit so vielen pessimistischen Situationen gefüllt war, kommen - das Gegenrezept:

Meines Erachtens gibt es drei Stufen, seine eigenen Wünsche zu planen oder zu betrachten. Gehen wir nun von der Tatsache aus, dass ich mir eine Sache XY wünsche. Dies kann ein Auto, eine Erledigung oder irgendetwas anderes sein. Nach der Formulierung meines Wunsches, sollte ich mir die Frage stellen, wie viel und was ICH zu der Erreichung meines neuen Zieles beitragen kann und will. Hierzu kann man im Großen und Ganzen die folgenden drei Stufen definieren:

  1. Kann und will ich es selber tun: Wenn ich zum Beispiel eine gute Mahlzeit haben will, die ich selber kochen kann, und ich bin zu Hause in meiner Küche, so macht es Sinn und es ist eine Überlegung wert, mir diese Mahlzeit selber zu zubereiten. Dies ist meines Erachtens die einfachste Form Wünsche zu haben und zu realisieren. Wünsche die man selber realisieren kann, sollten die meisten Wünsche in unserem Leben sein.
  1. Kann ich es selber tun, will es aber abgeben: Bleiben wir bei der Metapher der Mahlzeit. Stufe zwei wäre, dass ich eine Mahlzeit zwar selber zubereiten kann, ich jedoch kochen nicht mag, oder ich meines Erachtens besseres zu tun habe, als selbst zu kochen. In Wirklichkeit ist es aber so, dass sich der Prozess erheblich kompliziert, sobald ich Aufgaben abgebe. Ich muss eine Person finden, die für mich kocht. Mir muss klar sein, dass ich einen gewissen „Preis“ (und sei es im mindestens nur etwas Dankbarkeit) aufwenden muss, damit die andere Person für mich kocht und dies auch später wieder einmal für mich tut. Zahle ich diesen Preis - welchen auch immer - nicht und organisiere ich lieber immer wieder jemanden Neuen, der für mich kocht, so wird irgendwann niemand mehr kochen wollen - sowohl bei mir, als auch bei anderen Menschen nicht mehr. Die Meinung ist entstanden, dass der Beruf des Kochs nicht wertgeschätzt wird. Weiter bei den direkten möglichen Konsequenzen, für den Moment: Ich muss vielleicht mit der Konsequenz leben, dass die Mahlzeit nicht ganz so schmeckt, wie ich es mag, sie vielleicht zu kalt ist, das Kochen zu lange dauert, usw. Auch wenn ich diese Dinge nicht verschuldet habe, so sollte ich in einer fairen Situation, noch immer die Verantwortung für diese Situation tragen. Denn immerhin habe ich die Tätigkeit des Kochens abgegeben. Ein Teil des Preises, den ich nun zahlen muss, kann natürlich somit auch sein, dass nicht alles so gelaufen ist, wie es für mich perfekt wäre. In letzter Konsequenz muss ich zur Not auf die gewünschte Mahlzeit verzichten, oder mich doch selbst in die Küche stellen und die Mahlzeit zu meinen Vorstellungen zubereiten. So übernehme ich korrekt Verantwortung.
  2. Ich kann einen Wunsch nicht selber erfüllen und muss ihn abgeben: Dies ist in der heutigen Zeit der Spezialisierung, eine häufige Situation. Es spricht auch nichts dagegen, Aufgaben zur Erreichung meiner Wünsche abzugeben. Mir muss nur bewusst sein, dass ich gewisse angemessene Gegenleistungen, für die Erledigung der Aufgaben, erbringen muss. Sogar die Verantwortung kann ich abgeben, jedoch muss ich noch immer in letzter Konsequenz die Verantwortung über die Kosten, meiner Wünsche und wie sie erledigt werden, übernehmen. Irgendeine Form der Verantwortung bleibt somit immer bei mir und je kleiner die Verantwortung, die bei mir bleiben soll, umso höher ist der Preis, den ich an jemanden Anderen bezahlen muss.

 Was will ich Ihnen letztendlich mit der Metapher der Stufen zeigen: Umso höher man die Stufen steigt, umso tiefer kann man fallen. Konkret ausgedrückt: Umso weniger man selbst an einem Wunsch arbeiten kann, umso genauer sollte man hinterfragen, ob man die Verantwortung für eine Aufgabe tragen kann oder will. Können oder wollen Sie die Verantwortung oder den Aufwand nicht in der Relation aufbringen, wie es für Ihren Wunsch benötigt wird, dann sollten Sie sich besser einen anderen Wunsch überlegen.

Ich bin der Überzeugung, dass diese Sichtweise, sowohl bei kleinen Dingen, wie einer guten Mahlzeit, aber auch bei großen Dingen wie einem Hausbau, oder sogar noch globaler, wie bei erzeugten Krisen zwischen Kulturen helfen kann.

Mich würde beispielsweise interessieren, ob sich Politiker von heute so leichtfertig zu Aussagen hinreißen lassen würden, wenn sie ihr Verhalten mit den oberen drei Punkten bewerten würden, und auch die Verantwortung, für ihre Taten übernehmen müssten - alleine schon in finanzieller Form.

Das obere Konzept der 3 Stufen, hat mit Sicherheit das Potential, die Welt zu verändern, wenn es von vielen Menschen beherzigt wird.